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Weinbergbesichtigung

Rothenburg, 28.05.2019, Weinberatung der NHO 11a ganz praxisnah.

Was macht die Frankenweine unverwechselbar? Welche Rebsorten werden an- und ausgebaut? Welchen Einfluss hat das Gestein auf den Rebstock und den Charakter des Weines? Warum gibt es eigentlich keine roten Eiswein? Diesen und vielen weiteren Fragen einer Fachklasse für Gastronomie des SBS ging Albert Thürauf auf den Grund: Bei einer Weinbergsbegehung durch die Eich und einer anschließenden Weinprobe im Glockenkeller.

Doch wie nähert man sich einem Wein? Die farbliche Unterscheidung scheint auf den ersten Blick kein Problem zu sein, doch Weinprobewie klar ist ein Wein? Wie intensiv ist die Farbe? Schmecken könne der Gaumen nur süß, sauer, bitter und salzig, die sensibilisierte Nase erschnüffele die Fülle von Aromen, die der Wein zu bieten habe und so startete der Winzer mit einem Blauen Elbling, einem hellfarbigen Rotwein. Diese uralte Sorte gibt es nur bei Thüraufs - früher wurde diese im Übrigen nur als "Mischsatz" mit anderen Trauben gelesen und gekeltert.

Hellfarbige Rotweine trinkt man wie Weißweine kellerkühl, so die Empfehlung des Winzers im Hinblick auf die Gästeberatung und er schenkte einen Cabernet dorsa, einen Rotwein in die Gläser, besprach mit den angehenden Hotelfachleuten die Maischegärung der Rotweine, die die Farbstoffe aus der Schale der Beere bekommen.

Weißweine seinen anregend, Rotweine wirken eher beruhigend und würden bevorzugt von älteren Menschen getrunken. Und er offerierte den Schülern einen Rotling, der aus 5 historischen Muskattrauben gekeltert wurde - seine Empfehlung: Dieser fruchtige Wein könne eiskalt getrunken werden und korrespondiere exzellent mit Meeresfrüchten. 

In der Eich wird u. a. der "Johanniter" angebaut, dessen Mutter der "Riesling" ist. Bei dieser Rebe handelt es sich um einen "Windblüher", zudem komme die Rebe ohne Pflanzenschutz aus und eigne sich daher besonders für die sensible Lage vor der Altstadt. Mit einer "Perle", deren Mutter der Gewürztraminer und der Vater der Müller-Thurgau sei, hatte Albert Thürauf erneut eine Rarität in die Gläser geschenkt - und er kam auf die Flaschenverschlüsse zu sprechen: Naturkork sei der einzige Verschluss, der Weine über viele Jahre am Leben erhält. 

Einer Auslese eines Weißen Burgunder mit einem äußert intensiven, fruchtigen Geschmack folgte ein Silvaner-Eiswein aus dem Jahr 2012 - der große Begeisterung bei den Schülern auslöste. Um einen Eiswein zu erzeugen, müssten die Trauben bei mindestens minus 7 Grad gelesen und sofort verarbeitet werden. Bei diesen Temperaturen trennt sich in der Traube im gefrorenen Zustand das Wasser vom Fruchtsäurebestand, so dass eine kleine Menge hochkonzentrierter Saft zur Herstellung des Eisweines gewonnen werden kann. Und so konnten die Schüler die Frage selbst klären, warum es keine roten Eisweine geben kann.

Für das Lesejahr 2018 darf sich die Familie Thürauf auf hervorragende Eisweine freuen: Sie sind das Risiko eingegangen und haben Trauben bis in den Januar 2019 an den Weinstöcken hängen lassen. Am 22. und 23. Januar konnten sie qualitativ sehr gute gefrorene Trauben lesen, die aufgrund des warmen Sommers rundum gesund waren und eine große Menge Eiswein versprechen.  

Mit einer Trockenbeerenauslese eines Tauberzeller Bacchus aus dem Jahr 2005 beendete Albert Thürauf die überaus gelungene Weinverkostung für die künftigen Hotelfachleute. 36 Rebsorten, darunter viele historische,  baut er an und aus - er plädiert für die Artenvielfalt im Weinberg, versucht, alte Reben zu rekultivieren und zu erhalten. 

An die jungen Hotelfachleute appellierte er, ihre Sensorik weiter zu entwickeln, Weine ganz bewusst zu verkosten und erst dann entsprechende Empfehlungen an die Gäste auszusprechen - diese seien dankbar für eine überzeugende, individuelle Beratung durch geschulte Servicekräfte. -sw- 

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